Lauter Einser im Notensystem für Auswendiglerner

"Kurz nach Ferienbeginn werden bald wieder alle Kinder mit einem "Zeugnis voller Einser" in Geschäften belohnt oder in diversen Zeitungen abgebildet werden. Wie in der realen Welt des

Wettbewerbs scheiden auch hier jene aus, die auch nur einen Zweier haben.

Wer gar Dreier, Vierer oder Fünfer hat und auch sein Bestes gab, der ist Verlierer - Pech gehabt.
Unser Notensystem belohnt also jene, die entweder von Haus aus klug sind und sich leichter lernen, aber auch jene, die gute und schnelle Auswendiglerner sind. Zweitgenannte wissen schlussendlich aber auch nicht mehr, denn reines Stofflernen für die Note ist genau das, was nicht behalten wird. Zusatz-Info: Reines Auswendiglernen ist keine Intelligenzleistung und gehört daher flächendeckend abgeschafft.
Ich persönlich gerate immer mehr in Not, wenn ich junge Menschen nach einem Notensystem bewerten muss, das immer noch vorrangig einer Leistungsschau (Ausgrenzung) entspricht. Wo bleibt die Note für Gemeinschaftsgeist, für soziales Engagement, für Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Höflichkeit? Wo bleibt die Note für Fleiß und individuelles Bemühen der "Schwachen"?
Liebe Eltern, geraten Sie daher nicht in Versuchung, den Wert Ihres Kindes nach erbrachten Noten zu bemessen! Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen (auch nicht mit Geschwistern).
Denn: Überall, wo Leistung den Wert eines Menschen bestimmt, geht ein Stück Subjektivität und Menschlichkeit verloren. Und genau das sollten junge Menschen nicht schon von klein auf lernen und erfahren müssen.
Markus Hagler, Hauptschullehrer und Bildungsberater, St. Georgen in Attergau/Österreich.
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Quelle: Markus Hagler, Hauptschullehrer und Bildungsberater