...Du wolltest über Erziehung sprechen.

IN DER TAT. Ich beobachte, dass die meisten von euch den Sinn, den Zweck und die Funktion der Erziehung missverstanden haben, vom Prozess ihrer optimalen Durchführung ganz zu schweigen.

Das ist eine umfassende Aussage, und ich brauche hier etwas Hilfe.

IN DEN MEISTEN Fällen hat die Menschheit entschieden, dass Sinn, Zweck und Funktion der Erziehung in der Weitergabe von Wissen bestehen; dass Menschen zu erziehen bedeutet, ihnen Wissen zu vermitteln - im allgemeinen verstehen sie darunter das angesammelte Wissen der jeweiligen Familie, des Klans, des Stammes, der Gesellschaft, der Nation und der Welt. Doch Erziehung hat sehr wenig mit Wissen zu tun.

Oh? Mit was hat sie denn zu tun?

MIT WEISHEIT.

Weisheit.

JA.

Okay, ich gebe auf. Was ist der Unterschied?

WEISHEIT IST ANGEWANDTES Wissen.

Wir sollen also nicht versuchen, unserer Nachkommenschaft Wissen zu vermitteln. Wir sollen versuchen, ihr Weisheit zu übermitteln.

ERSTENS EINMAL, "VERSUCHT" nicht, irgend etwas zu tun. Tut es. Zweitens, vernachlässigt nicht das Wissen zugunsten der Weisheit. Das wäre fatal. Vernachlässigt andererseits auch nicht die Weisheit zugunsten des Wissens. Das wäre ebenfalls fatal. Das wäre das Ende der Erziehung. Auf eurem Planeten ist es bereits deren Ende.

Wir vernachlässigen die Weisheit zugunsten des Wissens?

JA, IN DEN meisten Fällen.

Wie machen wir das?

IHR LEHRT EURE Kinder, was sie denken sollen, statt wie mandenkt.

Erkläre das bitte.

GERNE. WENN IHR euren Kindern Wissen übermittelt, sagtihr ihnen, was sie denken sollen. Das heißt, ihr sagt ihnen,was sie wissen sollen, was sie eurem Wunsch nach als wahrbegreifen sollen.Wenn ihr euren Kindern Weisheit übermittelt, dann sagtihr ihnen nicht, was sie wissen sollen oder was wahr ist,sondern erklärt ihnen vielmehr, wie sie zu ihrer eigenenWahrheit gelangen.

Aber ohne Wissen kann es keine Weisheit geben.

STIMMT. DESHALB HABE ich gesagt, dass ihr nicht das Wissenzugunsten der Weisheit vernachlässigen sollt. Ein gewissesMaß an Wissen muss ganz offensichtlich von einer Genera-tion an die nächste weitergegeben werden. Doch so wenigWissen wie möglich. Je geringer die Menge, desto besser.Lasst das Kind selbst entdecken. Merk dir: Wissen geht ver-loren. Weisheit wird nie vergessen.

Unsere Schulen sollten also so wenig wie möglich lehren?

EURE SCHULEN SOLLTEN ihre Prioritäten vertauschen. Ge-genwärtig konzentrieren sie sich in einem Höchstmaß aufdas Wissen und schenken der Weisheit ausgesprochen wen-ig Aufmerksamkeit. Viele Eltern empfinden einen Unter-richt in kritischem Denken, in der Lösung von Problemenund in Logik als bedrohlich. Sie wollen, dass solche Themenaus dem Lehrplan gestrichen werden. Und sie tun gut dar-an, wenn sie ihre Lebensweise schützen wollen. Denn Kind-er, denen eine Entwicklung ihrer eigenen kritischenDenkprozesse zugestanden wird, werden sich sehr wahr-scheinlich von den moralischen und sittlichen Normenund der ganzen Lebensart ihrer Eltern abkehren.Um eure Lebensart zu schützen, müsst ihr ein Erziehungs-system aufbauen, das sich auf die Entwicklung des Ge-dächtnisses und nicht der Fähigkeiten des Kindes gründet.Kindern wird beigebracht, sich an Fakten und Fiktionen zuerinnern - Fiktionen, die jede Gesellschaft in bezug auf sichselbst etabliert hat -, statt dass ihnen die Fähigkeit vermit-telt wird, ihre eigene Wahrheit zu entdecken und zu er-schaffen.Lehrprogramme, die den Kindern beibringen, wie sie Fähig-keiten und Fertigkeiten statt des Gedächtnisses entwik-keln können, werden rundum von jenen verlacht, die sicheinbilden, zu wissen, was ein Kind lernen muss. Doch wasihr eure Kinder gelehrt habt, hat eure Welt zu Ignoranz ge-führt, statt diese aufzuheben.

Unsere Schulen lehren keine Fiktionen, sie lehren Fakten.

JETZT LÜGST DU dir selbst etwas vor, genauso wie ihr eureKinder anlügt.

Wir lügen unsere Kinder an?

NATÜRLICH MACHT IHR das. Nimm irgendein Geschichts-buch zur Hand und schau's dir an. Eure Geschichte wirdvon Menschen geschrieben, die wollen, dass ihre Kinder dieWelt unter einem bestimmten Blickwinkel sehen. JederVersuch, die Geschichtsschreibung um eine umfassendereSicht hinsichtlich der Fakten zu erweitern, wird höhnischals "revisionistisch" abgetan. Ihr erzählt euren Kindernnicht die Wahrheit über eure Vergangenheit, damit sienicht erkennen, wie ihr wirklich seid.In den Vereinigten Staaten wird die Geschichte meist ausder Sicht jenes Segments eurer Gesellschaft geschrieben,das ihr als weiß, angelsächsisch, protestantisch und männ-lich charakterisiert. Wenn Frauen, Afroamerikaner oder an-dere Angehörige einer Minderheit sagen: "He, warte mal.So ist das nicht passiert. Ihr habt hier eine ganze Mengeausgelassen", zuckte ihr zusammen und kreischt und ver-langt, dass diese "Revisionisten" mit ihrem Versuch aufhö-ren, eure Schulbücher ändern zu wollen. Ihr wollt nicht,dass eure Kinder erfahren, wie es wirklich passiert ist. Ihrwollt, dass sie wissen, wie ihr aus eurer Sicht das Gesche-hene rechtfertigt. Soll ich dir ein Beispiel dafür nennen?

Bitte.

IN DEN VEREINIGTEN Staaten lehrt ihr eure Kinder nicht al-les, was es über die Entscheidung eures Landes zu wissengibt, Atombomben auf zwei japanische Städte abzuwerfen,wodurch Hunderttausende von Menschen getötet oder ver-stümmelt wurden. Vielmehr vermittelt ihr ihnen die Fak-ten so, wie ihr sie seht - und wie ihr wollt, dass eure Kindersie sehen.Wenn der Versuch gemacht wird, diese Sichtweise durcheine andere Sichtweise - in diesem Fall die der Japaner - zuergänzen und zu objektivieren, brüllt und tobt und geifertund wütet ihr und hüpft auf und ab und verlangt, dass dieSchulen noch nicht einmal daran denken, derartige Infor-mationen in ihre historische Darstellung vom Ablauf die-ses wichtigen Ereignisses einzubeziehen. Von daher habtihr gar nicht Geschichte, sondern Politik unterrichtet.Geschichte sollte einen genauen und vollständigen Berichtüber das liefern, was tatsächlich passiert ist. In der Politikgeht es immer um jemandes Sichtweise von einem Gesche-hen.Geschichte enthüllt, Politik rechtfertigt. Geschichte decktauf, erzählt alles. Politik deckt zu, spricht nur von einerSeite.Politiker hassen ehrlich geschriebene Geschichte. Und ehr-lich geschriebene Geschichte spricht ihrerseits auch nichtbesonders gut von den Politikern.Doch ihr tragt "des Kaisers neue Kleider", denn letztlichdurchschauen euch eure Kinder. Kinder, die kritisch zudenken gelehrt wurden, schauen sich eure Geschichte anund sagen: "Meine Güte, was sich doch meine Eltern unddie ältere Generation vorgemacht haben." Das könnt ihrnicht tolerieren, also trommelt ihr es aus ihnen heraus. Ihrwollt nicht, dass eure Kinder über die grundlegendsten Fak-ten informiert werden. Ihr wollt, dass sie sich an eure Fak-ten halten.

Ich glaube, da übertreibst du. Ich denke, hier bist du einbisschen zu weit gegangen.

TATSÄCHLICH? DIE MEISTEN Menschen in eurer Gesellschaftwollen doch nicht einmal, dass ihre Kinder über die grund-legendsten Fakten des Lebens aufgeklärt werden. Die Leutedrehten durch, als die Schulen einfach anfingen, die Kinderzu lehren, wie der menschliche Körper funktioniert. Heutedarf den Kindern nicht erklärt werden, wie Aids übertragenwird oder wie eine Übertragung vermieden werden kann.Außer es wird ihnen aus einer ganz bestimmten Sichtweiseheraus erklärt, dann ist es in Ordnung. Aber ihnen einfachdie Fakten vermitteln und sie dann selbst entscheiden lass-en? Nur über eure Leiche.

Kinder sind noch nicht bereit, in diesen Dingen selbst zuentscheiden. Sie müssen richtig angeleitet werden.

HAST DU MAL letzthin einen Blick auf eure Welt geworfen?

Was ist damit?

SO HABT IHR eure Kinder in der Vergangenheit angeleitet.

Nein, so haben wir sie missgeleitet. Wenn sich die Weltheute in einem miserablen Zustand befindet - und das tutsie in vielerlei Hinsicht -, dann nicht, weil wir versuchthaben, unsere Kinder die alten Werte zu lehren, sondernweil wir zugelassen haben, dass ihnen all dieses "über-spannte neumodische" Zeug beigebracht wird.

DAS GLAUBST DU wirklich, nicht wahr?

Da hast du verdammt recht. Das glaube ich wirklich! Wennwir unseren Kindern die guten alten Grenzen gesetzt hät-ten, statt sie mit all diesem Quatsch von "kritischem Den-ken" zu füttern, wären wir alle heute viel besser dran.Wenn wir den sogenannten "Sexualunterricht" aus denKlassenzimmern herausgehalten und zu Hause belassenhätten, wo er hingehört, würden wir es heute nicht erleben,dass Teenager Kinder bekommen und 17jährige alleinerzie-hende Mutter zum Sozialamt gehen und dass die Welt ausden Fugen gerät. Wenn wir darauf bestanden hätten, dass dieJugend nach unseren Moralvorstellungen lebt, statt hinzu-gehen und sich ihre eigenen zu schaffen, hätte sich unserestarke, energiegeladene Nation nicht in ein jammervollesAbziehbild ihres früheren Selbst verwandelt.

MEINST DU.

Und noch eines. Steh du nicht da und sag mir, dass wir unsplötzlich für das, was wir in Hiroshima und Nagasaki taten,im "Unrecht" fühlen sollen. Wir haben den Krieg beendet.Wir haben Tausende von Leben gerettet. Auf beiden Seiten.Das war der Preis des Krieges. Niemand mochte diese Ent-scheidung, aber sie musste getroffen werden.

MEINST DU.

Ja, das meine ich. Du bist genauso wie der ganze Rest dieserkommunistisch angehauchten Liberalen. Du willst, dasswir unsere Geschichtsauffassung revidieren. Du willst, dasswir uns so revidieren, dass wir überhaupt nicht mehr exi-stieren. Dann habt ihr Liberale endlich freie Bahn; könntdie Welt übernehmen; eure dekadenten Gesellschaften er-richten; den Reichtum neu verteilen. Alle Macht dem Volkund all diesen Scheiß. Nur dass uns das nie irgendwohingebracht hat. Was wir brauchen, ist die Rückkehr zur Ver-gangenheit, zu den Werten unserer Vorväter. Das ist es, waswir brauchen!

BIST DU JETZT fertig?

Ja, ich bin fertig. Wie war ich?

ZIEMLICH GUT. DAS war wirklich gut.

Naja, wenn man sich ein paar Jahre lang mit Radiotalk-shows befasst hat, kommt einem das locker über die Lippen.

SO DENKEN ALSO die Leute auf eurem Planeten, wie?

Darauf kannst du wetten. Und nicht nur in den VereinigtenStaaten. Du könntest auch ein anderes Land und einen an-deren Krieg nehmen, irgendeine militärische Offensive ir-gendeiner Nation zu irgendeinem historischen Zeitpunktdafür einsetzen. Es spielt keine Rolle. Jeder denkt, dass errecht hat. Jeder weiß, dass der andere im Unrecht ist. VergissHiroshima, nimm statt dessen Berlin. Oder Bosnien.Jedermann weiß auch, dass die alten Werte funktionierthaben. Jedermann weiß, dass die Welt zum Teufel geht.Nicht nur in den Vereinigten Staaten. Überall. Überall aufdem Planeten schreit man nach einer Rückbesinnung aufdie alten Werte und nach einer Rückkehr zum Nationalis-mus.

ICH WEISS.

Und ich habe hier versucht, diesem Gefühl, dieser Besorg-nis, dieser Wut Ausdruck zu verleihen.

DAS HAST DU gut gemacht. Hast mich beinahe überzeugt.

Nun? Was sagst du jenen, die tatsächlich so denken?

ICH SAGE: DENKT ihr wirklich, dass die Dinge vor 30, 40 oder50 Jahren besser waren? Ich sage: Das Gedächtnis istschwach, ihr erinnert euch an das Gute und nicht an dasSchlimmste. Das ist natürlich, das ist normal. Aber lassteuch nicht täuschen. Denkt ein bisschen kritisch und erin-nert euch nicht nur an das, was auch andere gelten lassenwollen.Bildet ihr euch, um bei unserem Beispiel zu bleiben, wirk-lich ein, es sei absolut notwendig gewesen, die Atombombeauf Hiroshima abzuwerfen? Was sagen eure amerikani-schen Historiker zu den vielen Berichten derer, die behaup-ten, mehr über das zu wissen, was wirklich geschah, undwonach das japanische Kaiserreich den Vereinigten Staatenim geheimen seine Bereitschaft zur Beendigung des Kriegessignalisiert hatte, bevor die Bombe abgeworfen wurde? Einewie große Rolle spielte bei dieser Entscheidung die Rachefür das schreckliche Geschehen von Pearl Harbor? Undwarum war, wenn ihr die Notwendigkeit dieser Bombe aufHiroshima akzeptiert, eine zweite Bombe nötig?Es könnte natürlich sein, dass eure eigene Darstellung alldieser Dinge korrekt ist. Es könnte sein, dass die amerika-nische Sichtweise die Dinge so wiedergibt, wie sie sich tat-sächlich abgespielt haben. Um diesen Punkt geht es hiernicht. Hier geht es darum, dass euer Erziehungssystem keinkritisches Denken zu diesem Thema - oder zu vielen ande-ren Themen, was das anbelangt - zulässt.Könnt ihr euch vorstellen, was mit einem Lehrer der Sozial-wissenschaft oder Geschichte in Iowa passieren würde,wenn er einer Klasse die oben erwähnten Fragen stellte undseine Schüler aufforderte und ermutigte, diese Themen inihrer ganzen Tiefe zu ergründen und zu erforschen und ihreeigenen Schlussfolgerungen zu ziehen?Das ist der Punkt! Ihr wollt nicht, dass eure Jugend ihreeigenen Schlussfolgerungen zieht. Ihr wollt, dass sie zu den-selben Schlussfolgerungen gelangt wie ihr. Auf diese Weiseverdammt ihr sie dazu, die Fehler zu wiederholen, zu deneneuch eure Schlussfolgerungen geführt haben.

Aber was ist mit den Aussagen so vieler Menschen zu denalten Werten und dem heutigen Zerfall unserer Gesell-schaft? Was ist mit dieser unglaublichen Zunahme vonTeenagermüttern oder vom Sozialamt abhängigen Mütternoder damit, dass die Welt aus den Fugen gerät?

EURE WELT IST aus den Fugen geraten. Da stimme ich zu.Aber eure Welt geriet nicht aus den Fugen aufgrund dessen,was ihr eure Schulen eure Kinder habt lehren lassen. Siegeriet aus den Fugen aufgrund dessen, was ihr sie nicht habtlehren lassen.Ihr habt nicht gestattet, dass eure Schulen sie lehren, dassdie Liebe alles ist, was es gibt. Ihr habt nicht erlaubt, dasseure Schulen über die bedingungslose Liebe sprechen.

Zum Teufel, wir erlauben ja nicht einmal, dass in unserenKirchen darüber gesprochen wird.

DAS IST RICHTIG. Und ihr werdet nicht zulassen, dass maneuren Kindern beibringt, wie sie sich selbst und ihren Kör-per feiern, ihre Menschlichkeit und ihre wunderbare sex-uelle Persönlichkeit. Und ihr werdet nicht zulassen, dasseure Kinder erfahren, dass sie in erster Linie und vorrangigGeister sind, die einen Körper bewohnen. Ihr behandelt eu-re Kinder ja auch nicht als spirituelle Wesen, die sich ineinem Körper inkarnieren.In Gesellschaften, in denen offen über die Sexualität ge-sprochen und freimütig diskutiert wird, wo sie auf freud-volle Weise erklärt und erlebt wird, gibt es praktisch keineSexualverbrechen, nur eine sehr geringe Anzahl von uner-wünschten Schwangerschaften und keine "illegitimen"Kinder. In hochentwickelten Gesellschaften werden alleGeburten als ein Segen betrachtet, und es wird für das Wohlaller Müttern und aller Kinder gesorgt. Die Gesellschaftwürde es nicht anders haben wollen.In Gesellschaften, in denen Geschichte nicht den Ansich-ten der Stärksten und Mächtigsten gemäß verbogen wird,werden die Fehler der Vergangenheit offen eingestandenund nie wiederholt, und einmal ist genug für alles eindeutigselbstzerstörerische Verhalten.In Gesellschaften, in denen kritisches Denken, Möglich-keiten der Problemlösung und dem Leben dienliche Kennt-nisse und Fähigkeiten gelehrt werden, statt dass Fakten ein-fach nur auswendig gelernt werden, werden auch sogenann-te "gerechte" Aktionen der Vergangenheit einer äußerstkritischen Prüfung unterzogen. Nichts wird nur aufgrunddes äußeren Scheins akzeptiert.

Wie würde das funktionieren? Nehmen wir unser Beispieldes Zweiten Weltkriegs. Wie würde ein Schulsystem, dasdem Leben dienliche Kenntnisse und Fähigkeiten statt blo-se Fakten lehrt, an diese historische Episode von Hiroshi-ma herangehen?

EURE LEHRER WÜRDEN ihren Schülern genau beschreiben,was da passiert ist. Sie würden alle Fakten - alle Fakten -,die zu diesem Ereignis geführt haben, einbeziehen. Sie wür-den sich über die Ansichten der Historiker auf beiden Sei-ten informieren, da ihnen klar ist, dass alles unter mehr alseinem Blickwinkel zu betrachten ist. Sie würden dann ihreSchüler nicht dazu auffordern, die Fakten dieser Angelegen-heit auswendig zu lernen. Vielmehr würden sie sie heraus-fordern und sagen: "Nun habt ihr alles über die Geschichtegehört. Ihr seid über alles informiert, was sich davor unddanach abgespielt hat. Wir haben euch alle 'Informationen'über diese Angelegenheit gegeben, derer wir habhaft wer-den konnten. Zu welcher 'Weisheit' gelangt ihr nun auf-grund dieser 'Kenntnisse'? Welche Lösungen würdet ihrfinden, wenn ihr ausgewählt würdet, die Probleme zu lö-sen, mit denen man sich damals konfrontiert sah und diemit dem Abwerfen der Bombe gelöst wurden? Könnt ihreuch einen besseren Weg denken?"

Oh, sicher. Das ist einfach. Jeder kann auf diese Weise mitAntworten aufwarten - wenn er den Vorteil der Rückschauhat. Jeder kann uns über die Schulter schauen und sagen:"Ich hätte es anders gemacht."

WARUM MACHT IHR es dann nicht?

Wie bitte?

ICH SAGTE, WARUM macht ihr es dann nicht? Warum habt ihrnicht über eure Schulter geblickt, aus der Vergangenheitgelernt und es anders gemacht? Ich sage dir, warum. Wennihr zulasst, dass sich eure Kinder eure Vergangenheit an-schauen und sie kritisch analysieren - wenn ihr es von ih-nen als Bestandteil ihrer Erziehung tatsächlich verlangtet -,würdet ihr das Risiko eingehen, dass sie mit euch nicht dar-in einig sind, wie ihr die Dinge macht.Sie werden natürlich ohnehin anderer Meinung sein. Ihrwollt nur nicht all zu viel von dieser anderen Meinung inden Klassenzimmern zulassen. Also müssen sie auf dieStraße gehen. Transparente schwenken. Einberufungsbe-fehle zerreißen. Büstenhalter und Fahnen verbrennen. Tun,was immer ihnen möglich ist, um eure Aufmerksamkeit zuerlangen, euch dazu zu bringen, dass ihr die Augen auf-macht. Eure jungen Menschen haben euch zugebrüllt: "Esmuss einen besseren Weg geben!" Aber ihr hört sie nicht.Ihr wollt sie nicht hören. Und ganz sicher wollt ihr sie nichtdazu ermuntern, in der Schule kritisch über die Faktennachzudenken, mit denen ihr sie vollstopft.Kapiert es einfach, sagt ihr zu ihnen. Kommt nicht hier anund sagt uns, dass wir unrecht getan haben. Kapiert einfach,dass wir das Richtige gemacht haben.So erzieht ihr eure Kinder. Das nennt ihr Erziehung.

Aber da gibt es die, die sagen, dass es die jungen Leute undihre verrückten, verschrobenen, liberalen Ideen sind, diedieses Land und die Welt den Bach haben hinuntergehenlassen. Sie zum Teufel geschickt haben. Sie an den Randdes Abgrunds gebracht haben. Unsere wertorientierteKultur zerstört und sie durch eine Mentalität des "Tu-was-immer-du-tun-willst, was-immer-sich-gut-anfühlt" ersetzthaben, die unserer ganzen Lebensweise ein Ende zu ma-chen droht.

DIE JUNGEN LEUTE zerstören tatsächlich eure Lebensweise.Die jungen Leute haben das immer getan. Eure Aufgabe istes, sie dazu zu ermuntern, statt sie zu entmutigen.Es sind nicht eure jungen Leute, die die Regenwälder ver-nichten. Sie bitten euch, damit aufzuhören. Es sind nichteure jungen Leute, die die Ozonschicht zerstören. Sie bitteneuch, damit aufzuhören. Es sind nicht eure jungen Leute,die überall auf der Welt die Armen unter miesesten Arbeits-bedingungen in den Betrieben ausbeuten. Sie bitten euch,damit aufzuhören. Es sind nicht eure jungen Leute, dieeuch zu Tode besteuern und dann das Geld für Kriege undKriegsmaschinerie ausgeben. Sie bitten euch, damit aufzu-hören. Es sind nicht eure jungen Leute, die die Probleme derSchwachen und Unterdrückten ignorieren, die jeden Tagauf der Welt Hunderte von Menschen verhungern lassen,obwohl es mehr als genug gibt, um jeden Menschen zu er-nähren. Sie bitten euch, damit aufzuhören.Es sind nicht eure jungen Leute, die eine Politik der Täu-schung und Manipulation betreiben. Sie bitten euch, damitaufzuhören. Es sind nicht eure jungen Leute, die sexuellunterdrückt sind, sich ihres eigenen Körpers schämen undgenieren und diese Scham und Verlegenheit an ihre Kinderweitergeben. Sie bitten euch, damit aufzuhören. Es sindnicht eure jungen Leute, die ein Wertsystem etabliert ha-ben, wonach "Macht gleich Recht" ist, und die eine Weltaufgebaut haben, die ihre Probleme mit Gewalt löst. Siebitten euch, damit aufzuhören. Nein, sie bitten euchnicht ... sie flehen euch an.

Doch es gibt auch junge Leute, die gewalttätig sind! JungeLeute, die sich Banden anschließen und sich gegenseitigumbringen! Junge Leute, die sich nicht um Recht und Ord-nung scheren - um keinerlei Art von Ordnung. Junge Men-schen, die uns zum Wahnsinn treiben!

WENN DIE RUFE und Bitten der jungen Menschen, die Weltzu verändern, nicht gehört und nie beachtet werden; wennsie sehen, dass ihre Sache verloren ist - dass ihr es auf eureWeise macht, ganz egal was kommt -, werden junge Leute,die nicht dumm sind, das Nächstbeste tun. Wenn sie gegeneuch nicht ankommen, dann werden sie so wie ihr.Eure jungen Leute sind dabei, so wie ihr zu werden. Wennsie gewalttätig sind, dann weil ihr gewalttätig seid. Wennsie materialistisch sind, dann weil ihr materialistisch seid.Wenn sie sich verrückt benehmen, dann weil ihr euch ver-rückt benehmt. Wenn sie mit der Sexualität manipulativ,unverantwortlich, schändlich umgehen, dann weil sie se-hen, dass ihr dasselbe macht. Der einzige Unterschied zwi-schen den jungen und den älteren Menschen ist der, dass diejungen Leute das, was sie tun, offen tun.Altere Menschen verstecken ihr eigentliches Verhalten. Siedenken, junge Leute könnten es nicht sehen. Doch die jun-gen Menschen sehen alles. Ihnen bleibt nichts verborgen.Sie sehen die Heuchelei der Älteren und versuchen ver-zweifelt, das zu ändern. Und nachdem sie es versucht ha-ben und gescheitert sind, sehen sie keine andere Möglich-keit, als sie zu imitieren. Hier irren sie sich, aber sie sind esnie anders gelehrt worden. Es wurde ihnen nicht gestattet,die Taten der älteren Generation kritisch zu analysieren. Eswurde ihnen nur gestattet, sie auswendig zu lernen.Was du auswendig lernst, dir einprägst, das wird dirschließlich zum Denkmal und zum Vorbild.

Wie sollten wir also unsere jungen Leute erziehen?

ERSTENS, BEHANDELT SIE als Geistwesen. Sie sind Geistwe-sen, die in einen physischen Körper eintreten. Und das istnicht leicht für ein Geistwesen; es ist nicht leicht, sich dar-an zu gewöhnen. Es ist sehr eng, sehr einschränkend. DasKind wird also aufschreien, weil es sich plötzlich so be-grenzt findet. Hört diesen Aufschrei. Versteht ihn. Undgebt euren Kindern sosehr wie möglich das Gefühl von"Unbegrenztheit".Zweitens, führt sie mit Sanftheit und Güte und Achtsam-keit in die Welt ein, die ihr erschaffen habt. Achtet sorgsamdarauf, was ihr in ihren Gedächtnisspeicher eingebt. Kindererinnern sich an alles, was sie sehen, an alles, was sie erle-ben. Warum gebt ihr euren Kindern in dem Moment, indem sie aus dem Mutterschoß geboren werden, einenKlaps? Denkt ihr wirklich, das sei die einzige Möglichkeit,ihren Motor in Gang zu setzen? Warum nehmt ihr die Ba-bys nur Minuten nachdem sie von der einzigen Lebensformgetrennt wurden, die sie in ihrer bisherigen Existenz kann-ten, von ihren Müttern weg? Kann das Maßnehmen undWiegen und Stupsen und Pieksen nicht noch einen Mo-ment warten, bis das Neugeborene die Sicherheit und denTrost dessen, was ihm Leben gegeben hat, erfahren hat?Warum lasst ihr zu, dass zu den frühesten Bildern, deneneuer Kind ausgesetzt wird, Bilder von Gewalttätigkeit ge-hören? Wer hat euch erzählt, dass das für Kinder gut ist?Und warum versteckt ihr Bilder der Liebe?Warum lehrt ihr eure Kinder, sich für ihren eigenen Körperund seine Funktionen zu schämen und zu genieren, indemihr eure eigenen Körper vor ihnen abschirmt und ihnensagt, dass sie sich nie selbst in einer Weise berühren undbetasten dürfen, die ihnen Vergnügen bereitet? Was für Bot-schaften über Vergnügen übermittelt ihr ihnen? Und wel-che Lektionen lehrt ihr sie über den Körper?Warum steckt ihr eure Kinder in Schulen, in denen konkur-rierendes Verhalten erlaubt, ja geradezu ermuntert wird,wo jene belohnt werden, die am "besten" sind und am"meisten" lernen, wo "Leistung" gut benotet wird und die-jenigen, die in ihrem eigenen Tempo voranschreiten, kaumtoleriert werden? Was lernen eure Kinder daraus?Warum unterrichtet ihr eure Kinder nicht in Bewegung undMusik, lehrt sie nicht, Freude an Kunst, am Geheimnis derMärchen und an den Wundern des Lebens zu finden? War-um bringt ihr nicht nach außen, was sich ganz natürlich imKind findet, statt etwas in das Kind hineinzustecken, dasfür es unnatürlich ist?Und warum erlaubt ihr nicht, dass eure jungen Menschenlernen, kritisch zu denken, Probleme zu lösen und schöpfe-risch zu sein, das Instrumentarium ihrer eigenen Intuitionund ihres tiefsten inneren Wissens zu nutzen, statt sich derRegeln und auswendig gelernter Systeme und Schlußfolge-rungen einer Gesellschaft zu bedienen, die sich selbst be-reits bewiesen hat, dass sie völlig unfähig ist, sich über dieseMethoden weiterzuentwickeln, sie aber dennoch weiterhinanwendet?Und schließlich, lehrt sie Gedanken und Ideen, nicht Fach-wissen.Entwerft einen neuen Lehrplan und baut ihn um dreiGrundbegriffe herum auf:

Bewusstheit - Ehrlichkeit - Verantwortungsgefühl

Lehrt eure Kinder von klein auf, was es mit diesen Begrif-fen, mit diesen Grundgedanken auf sich hat. Laßt sie biszum letzten Schultag in allem deutlich werden. Gründeteuer gesamtes Erziehungssystem auf diese Grundbegriffe.Lasst alle Unterweisung tief in ihnen verwurzelt sein.

Ich weiß nicht, was das heißt.

ES HEISST, DASS alles, was ihr lehrt, aus diesen Grundgedan-ken erwächst.

Kannst du das näher erläutern?

ALLE GESCHICHTEN, ERZÄHLUNGEN und Lehrstoffe von eurenFibeln bis hin zu euren anspruchsvollsten Lehrbüchernwürden sich um diese Grundgedanken drehen. Das heißt,es würde sich um Geschichten über Bewusstheit und Ge-wahrsein handeln, um Geschichten, die mit Ehrlichkeitund mit Verantwortungsgefühl zu tun haben. Eure Kinderwürden in diese Grundbegriffe eingeführt, sie würden ih-nen eingepflanzt, sie würden mit ihnen zutiefst vertrautgemacht werden.Auch Aufsätze, die sie zu schreiben haben, würden sich umdiese Grundbegriffe und andere damit verbundene Themendrehen, in dem Maße, wie die Kinder ihre Fähigkeit desSelbstausdrucks erweitern.Auch rechnerische Fähigkeiten würden innerhalb diesesKontexts gelehrt werden. Arithmetik und Mathematiksind nichts Abstraktes, sondern elementare Werkzeuge desUniversums, um ein Leben zu leben. Der Unterricht in al-len rechnerischen Fähigkeiten würde im Kontext einer um-fassenderen Lebenserfahrung erfolgen, und zwar so, dass dieAufmerksamkeit konzentriert auf diese Grundbegriffe undihre Ableitungen gerichtet wird.

Was sind das für "Ableitungen"?

SIE ERGEBEN SICH sozusagen als "Nebenprodukte". Das gan-ze Erziehungssystem kann sich auf diese Nebenproduktegründen, die ihrerseits die Fächer eures gegenwärtigenLehrplanes, in denen im Grunde nur Fakten gelehrt wer-den, ersetzen.

Zum Beispiel?

LASS UNS MAL unsere Vorstellungskraft einsetzen. Nennmir einige Grundbegriffe oder Prinzipien, die dir im Lebenwichtig sind.

Ah ... nun, ich würde sagen ... Ehrlichkeit, wie du gesagthast.

JA, WEITER. DAS ist ein Grundbegriff.

Und, äh ... Fairness. Das ist für mich ein wichtiger Begriff.

GUT. NOCH IRGENDWELCHE andere?

Andere nett zu behandeln. Das gehört dazu. Ich weiß nicht,wie ich das in einen Begriff fassen soll.

MACH WEITER. LASS die Gedanken einfach fließen.

Gut miteinander auskommen. Tolerant sein. Andere nichtverletzen. Andere als gleichwertig ansehen. Das sind allesDinge, die ich hoffe, meinen Kindern beibringen zu kön-nen.

GUT. EXZELLENT! MACH weiter.

Äh ... an sich selbst glauben. Das ist gut. Und, hm ... warte,warte, da kommt was ... ja, das ist es: den Weg in Würdegehen. Ja, ich glaube, so würde ich es benennen. Ich weißauch nicht, wie ich das in einen besseren Begriff fassenkann, aber es hat damit zu tun, welche Haltung man imLeben bewahrt und wie man anderen und dem Weg, den siegehen, Achtung entgegenbringt.

DAS SIND GUTE Vorschläge. Das sind alles gute Ideen. Dudenkst jetzt wirklich ernsthaft nach. Und es gibt noch vieleandere solche Grundgedanken und Prinzipien, die alle Kin-der zutiefst verstehen müssen, wenn sie sich weiterent-wickeln und zu ganzheitlichen menschlichen Wesen her-anwachsen sollen. Doch diese Dinge lehrt ihr nicht in eu-ren Schulen. Diese Dinge, von denen wir jetzt sprechen,sind die wichtigsten Dinge im Leben, aber ihr unterrichtetsie nicht in der Schule. Ihr lehrt nicht, was es heißt, ehrlichzu sein. Ihr lehrt nicht, was Verantwortungsgefühl bedeu-tet. Ihr lehrt nicht, was es heißt, sich der Gefühle andererMenschen bewusst zu sein und den Weg unserer Menschenzu respektieren.Ihr sagt, es sei die Aufgabe der Eltern, diese Dinge zu leh-ren. Doch Eltern können nur das weitergeben, was an sieweitergegeben worden ist. Denn die Kinder werden von denSünden der Väter heimgesucht. Also lehrt ihr in eurem Zu-hause dasselbe Zeug, das euch eure Eltern in ihrem Zuhau-se beigebracht haben.

Und? Was ist daran falsch?

WIE ICH DICH schon wiederholte Male fragte: Hast du letzt-hin mal einen Blick auf die Welt geworfen?

Du bringst uns immer wieder auf diesen Punkt zurück.Lenkst unseren Blick immer wieder darauf. Aber das istnicht alles unsere Schuld. Wir können nicht für den Zu-stand der ganzen Welt verantwortlich gemacht werden.

DAS IST KEINE Frage der Schuldzuweisung, es ist eine Frageder Wahl. Und wenn ihr nicht für die Entscheidungen ver-antwortlich seid, die die Menschheit getroffen hat und wei-terhin trifft, wer dann?

Wir können uns nicht selbst die Verantwortung für allesdies zuschreiben!

ICH SAGE DIR dies: Solange ihr nicht bereit seid, die Verant-wortung für alles dies zu übernehmen, könnt ihr nichts anirgend etwas ändern.Ihr könnt nicht ständig sagen, dass die andern das getan ha-ben und dass sie das tun und wenn nur sie es richtig machenwürden! Erinnere dich an den wundervollen Spruch von Po-go, der Figur in Walt Kellys Comicstrip, und vergiss ihn nie:"Wir haben den Feind getroffen, und dieser Feind sindwir."

Wir haben Hunderte von Jahren immer wieder den gleichenFehler gemacht, nicht wahr ...

TAUSENDE VON JAHREN, mein Sohn. Ihr habt Tausende vonJahren die gleichen Fehler gemacht. Die Menschheit hatsich seit der Zeit der Höhlenmenschen in ihren elementar-sten Instinkten nicht viel weiterentwickelt. Doch jederVersuch, das zu ändern, stößt auf Hohn und Spott. Auf je-den Aufruf, sich eure Werte anzuschauen und sie vielleichtsogar umzustrukturieren, wird mit Angst und dann mitWut reagiert. Und jetzt kommt da der Gedanke von mir,doch tatsächlich höhere Prinzipien und Grundbegriffe inden Schulen zu lehren. Junge, Junge, jetzt begeben wir unswirklich auf dünnes Eis.Doch in hochentwickelten Gesellschaften wird genau dasgetan.

Aber das Problem ist, dass nicht alle Menschen sich auf dieinhaltliche Bedeutung dieser Grundbegriffe einigen kön-nen. Deshalb können wir sie in unseren Schulen nicht leh-ren. Die Eltern drehen durch, wenn du versuchst, dieseDinge in den Lehrplan einzuführen. Sie sagen, dass du"Werte" unterrichtest und dass die Schule nicht der Ortdafür ist.

SIE IRREN SICH! Wie ich schon sagte, ausgehend davon, wasdeiner Aussage nach die Menschheit zu tun versucht, näm-lich eine bessere Welt aufzubauen, irren sie sich. Die Schu-len sind genau der Ort für solche Unterweisungen. Undzwar weil die Schulen von den Vorurteilen der Eltern ge-trennt sind. Weil die Schulen von den vorgefertigten An-sichten der Eltern unabhängig sind. Ihr habt gesehen, wases für Folgen für euren Planeten hatte, dass die Eltern ihreWerte an ihre Kinder weitergaben. Euer Planet ist einSchlamassel.Ihr versteht die elementarsten Grundgedanken und Prinzi-pien zivilisierter Gesellschaften nicht.Ihr wisst nicht, wie ihr Konflikte gewaltlos lösen könnt.Ihr wisst nicht, wie man ohne Angst lebt.Ihr wisst nicht, wie man ohne eigensüchtiges Interesse han-delt.Ihr wisst nicht, wie man bedingungslos liebt.Das sind elementare - elementare - Voraussetzungen, undihr seid noch nicht einmal ansatzweise zu deren vollemVerständnis gelangt, ganz zu schweigen davon, dass ihr sieeingeführt hättet ... nach Tausenden und Abertausendenvon Jahren.

Gibt es irgendeinen Weg aus diesem Schlamassel?

JA! ER IST in euren Schulen zu finden! In der Erziehung eurerjungen Leute! Eure Hoffnung liegt bei der nächsten Gene-ration und der folgenden! Aber ihr müsst aufhören, sie mitden Methoden der Vergangenheit zu knebeln. Diese Me-thoden haben nicht funktioniert. Sie haben euch nicht da-hin gebracht, wohin sie euch bringen sollten. Aber wennihr nicht aufpasst, werdet ihr genau dahin gelangen, woraufihr schon zusteuert!Also haltet ein! Kehrt endlich um! Setzt euch gemeinsamhin und sammelt eure Gedanken. Schafft euch die groß-artigste Vision aller großartigen Visionen, die ihr jemalsvon euch als Menschengeschlecht hattet. Nehmt dann dieWerte und Grundgedanken und Prinzipien, die eine solcheVision unterstützen und fördern, und lehrt sie überall ineuren Schulen.Warum nicht Kurse geben wie zum Beispiel ...- Verständnis von Macht- Friedliche Konfliktlösung- Elemente liebender Beziehungen- Persönlichkeit und Selbstschöpfung- Körper, Geist und Seele: Wie sie funktionieren- Der Umgang mit Kreativität- Das eigene Selbst feiern, andere wertschätzen- Freudvoller Ausdruck der Sexualität- Fairness- Toleranz- Unterschiede und Gleichheiten- Ethische Ökonomie- Kreatives Bewusstsein und Geisteskraft- Bewusstheit und Wachsamkeit- Ehrlichkeit und Verantwortungsgefühl- Sichtbarkeit und Transparenz- Wissenschaft und Spiritualität

Viel davon wird schon jetzt unterrichtet. Wir nennen esGesellschafts- oder Gemeinschaftskunde.

ICH SPRECHE NICHT von einer zweitägigen Unterrichtsein-heit innerhalb eines Faches. Ich spreche von gesondertenKursen zu jedem dieser Themen. Ich spreche von einer voll-ständigen Korrektur eurer Lehrpläne für die Schulen. Ichspreche von einem auf Werte gegründeten Lehrplan, derweitgehend auf die Vermittlung von Fakten ausgerichtetist.Ich spreche davon, dass ihr die Aufmerksamkeit der Kinderso sehr auf das Verständnis dieser Grundgedanken und dertheoretischen Strukturen, die um ihr Wertsystem aufge-baut werden können, richtet, wie ihr sie derzeit auf die Da-ten und Fakten und Statistiken lenkt.In den hochentwickelten Gesellschaften eurer Galaxis undeures Universums (Gesellschaften, über die ich spezifi-scher in Band 3 sprechen werde), werden die Nachkommenschon von Kindesbeinen an über Lebensprinzipien unter-richtet. Was ihr "Fakten" nennt, die in jenen Gesellschaf-ten für weitaus weniger wichtig gehalten werden, wird erstsehr viel später gelehrt.Auf eurem Planeten habt ihr eine Gesellschaft geschaffen,in der Hänschen zwar schon lesen gelernt hat, noch bevorer in die Grundschule kommt, aber noch nicht gelernt hat,seinen Bruder nicht zu beißen. Und Susi lernt immer frü-her, perfekt zu multiplizieren, hat aber immer noch nichtgelernt, dass an ihrem Körper nichts ist, wofür sie sich zuschämen oder zu genieren braucht.Gegenwärtig dienen eure Schulen hauptsächlich als Liefe-rant für Antworten. Es wäre sehr viel vorteilhafter, wennihre vorrangige Funktion darin bestünde, Fragen zu stellen.Was heißt es, ehrlich zu sein oder verantwortungsbewusstoder "fair"? Was bedeutet das praktisch? Und was heißt2+2=4? Was bedeutet das praktisch? HochentwickelteGesellschaften ermuntern alle Kinder dazu, die Antwortenfür sich selbst zu entdecken und zu erschaffen.

Aber ... aber das würde zum Chaos führen!

IM GEGENSATZ zu den unchaotischen Verhältnissen, unterdenen ihr jetzt euer Leben lebt...

Okay, okay ... es würde also zu noch mehr Chaos führen.

ICH REDE NICHT davon, dass eure Schulen eurer Nachkom-menschaft nie irgend etwas von dem, was ihr über dieseDinge gelernt oder beschlossen habt, tatsächlich vermit-teln. Ganz im Gegenteil. Schulen dienen ihren Schülern,wenn sie ihnen mitteilen, was die Älteren in der Vergan-genheit gelernt und entdeckt, entschieden und gewählt ha-ben. Die Schüler können dann feststellen, wie alles funk-tioniert hat. In euren Schulen jedoch werden diese Informa-tionen als das präsentiert, Was-Richtig-Ist, statt als das,was sie eigentlich sind, nämlich ganz einfach Informatio-nen und Daten.Daten der Vergangenheit sollten nicht die Grundlage fürdie gegenwärtige Wahrheit bilden. Daten aus früheren Zei-ten oder Erfahrungen sollten stets und nur die Grundlagefür neue Fragen bilden. Der Schatz sollte immer in der Fra-ge, nicht in der Antwort zu finden sein.Und die Fragen sind immer die gleichen. "Was die Datender Vergangenheit angeht, die wir euch vermittelt haben,stimmt ihr zu oder stimmt ihr nicht zu? Was denkt ihr?"Das ist immer dieselbe Schlüsselfrage. Sie steht immer imMittelpunkt. Was denkt ihr? Was denkst du? Was denkstDu?Nun werden Kinder in diese Frage ganz offensichtlich dieWerte ihrer Eltern einbringen. Eltern werden weiterhin ei-ne wichtige Rolle - die vorrangige Rolle - beim Aufbau desWertesystems der Kinder spielen. Absicht und Ziel derSchule bestünden dann, die Kinder von frühester Zeit anbis zur Beendigung ihrer formellen Ausbildung darin zuermuntern, diese Werte zu erforschen; zu lernen, wie mansie nutzt, sie anwendet, sie funktionalisiert - und ja, auchwie man sie in Frage stellt. Denn Eltern, die nicht wollen,dass ihre Kinder ihre Werte in Frage stellen, sind keine El-tern, die ihre Kinder lieben, sondern Eltern, die sich vermit-tels ihrer Kinder selbst lieben.

Ich wünschte - oh, wie ich mir wünschte -, es gäbe Schu-len, wie du sie beschreibst!

Es GIBT EINIGE, die sich diesem Modell anzunähern versu-chen.

Tatsächlich?

..._____________________________________________Auszug aus: Neale Donald WalschGespräche mit GottBand 2 Gesellschaft und Bewusstseinswandel(Seite 171 - 198)